Ein Gefühl von Zuhause

„A man travels the world over in search of what he needs and returns home to find it.”

George Moore (irischer Schriftsteller)

Zuhause ist ein Ort. Zuhause ist eine Familie. Ein Mensch. Zuhause ist ein Gefühl. Zuhause ist eine Einstellung.

Bald ziehe ich zum 10. Mal in meinem Leben um. Fünf mal schleppte mich meine Familie von Haus zu Haus (im gleichen Dorf). Zwei Mal hatte ich das unfassbare Glück in Spanien leben und lernen zu dürfen. Ein Mal zog ich näher an meine Uni. Ein Mal zog ich ins Ruhrgebiet, weil mir dort ein Job angeboten wurde. Bald sieht man mich in Bonn.

Letztens fragte mich meine Mama, ob ich mich noch mit meinen alten Wohnorten verbunden fühle und wo ich mich besonders Zuhause gefühlt habe. Wie aus der Pistole geschossen antwortete ich: „In Madrid.“ Wahrscheinlich der Ort, an dem ich die wenigste Zeit meines Lebens verbrachte – in Wochen gerechnet. Denn ich lebte gerade einmal sechs Monate dort. Dort in dieser riesigen Straße, mit neun MitbewohnerInnen aus fünf verschiedenen Nationen. Ich war einfach die „Alemana“, die – wie sie sagten – wahrscheinlich spanischste Deutsche, die sie je kennengelernt hatten.

Wir lebten und genossen jeden Tag. Wir gingen zur Uni, lernten zusammen, kochten, lachten, gingen aus, tanzten, arbeiteten, konnten sagen und denken, was immer wir wollten. Wir respektierten einander immer. Jeder hatte eine andere politische, soziale oder persönliche Einstellung. Darüber wurde diskutiert. Wir wollten einander verstehen. Keinem wurde eine Meinung aufgezwungen. Ich sah uns als ein kleines, besseres Europa.

In dieser viel zu teuren Wohnung im Herzen Madrids, fand ich ein Zuhause. Denn ich fand eine Vanessa, die ich sein wollte. Ich fand Verständnis, Rücksichtnahme, Individualität, Demokratie. Ich fand Ruhe und Aufregung, Unterstützung in Fremden, Interesse an Neuem. Ich fand einen Wohlfühl-Ort.

Die SpanierInnen selbst sagen, dass es ein Spanien gibt und dann noch ein Madrid. Hier gibt es nicht an jeder Ecke eine Tapas Bar. Man ist trotz Großstadt-Feeling nicht anonym. Die Straßen sind größer, die Menschen gehen schneller. ArtistInnen und WissenschaftlerInnen sind gleichwertig. Ich denke, dass Madrid einer der lebenswertesten Orte dieser Welt ist.

Wenn ich von meinem Zuhause spreche, meine ich das Haus, in dem meine Familie gerade lebt. Familie ist Zuhause. Und doch ist mein größtes, schönstes Zuhause, in mir. Es ist die Vanessa, die ich wurde, als ich in Madrid lebte. Ich bin mein eigenes selbstbewusstes, inspirierendes, starkes, lernendes, freies Zuhause.

Und solange ich dieses Gefühl in mir trage, habe ich überall ein Zuhause. Auch bald in Bonn. Dieses Innere Zuhause wünsche ich jedem. Denn es nimmt einem die Angst vor Veränderung und gibt einem den Mut, seinen Träumen nachzugehen. Und man kann es nur finden, wenn man sich selbst ausprobiert und kennenlernt.

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