Die 5 Sprachen der Liebe – Gary Chapman

Buchvorstellung

Unterhalte dich in meiner Sprache

Vor einer Woche plauderten eine gute Freundin und ich auf ihrem Sofa über unser Liebesleben. Mit einem Kaffee in der Hand wurde über unsere Beziehungen gerätselt, Erfahrungen ausgetauscht und Wünsche geäußert. Aus dem nichts und als wäre es das Selbstverständlichste der Welt, die Antwort zu kennen, fragte Helli mich: „Welche ist denn deine Sprache der Liebe?

Obwohl ich dicke Sachbücher über Politik, Gesellschaft und Psychologie liebe, schafft es ausgerechnet ein Ratgeber über Partnerschaft und Sexualität als erstes „good read“ in meine Beiträge. Ich las das Buch „Die 5 Sprachen der Liebe“, welches ich lesen musste, um die Frage meiner Freundin zu beantworten, innerhalb eines Abends. Es ist leicht zu verstehen, bedient sich keinem komplizierten Fachjargon und ist nur 155 Seiten lang. Es ist im Genre der Psychologie angesiedelt, obwohl ich es bei Lesen eher der Kommunikationswissenschaft und/oder der Theologie zugeordnet hätte.

Worum geht´s? Die 5 Sprachen der Liebe ist ein Konzept aus der amerikanischen Paartherapie, geprägt durch Gary Chapman. Auf Basis langjähriger Therapiesitzungen fiel ihm auf, dass die Eheprobleme seiner KlientInnen oft auf die immer gleiche Ursache zurückzuführen waren: eine falsche Kommunikation. Daraufhin entwickelte er ein Modell, welches die verschiedenen Sprachen der Liebe erklärt und für jeden zugänglich macht. Wenn ein Partner/eine Partnerin die Liebessprache des anderen kennt und sprechen lernt, fühlt sich der andere geliebt und verstanden. Spricht ein Partner/eine Partnerin die Sprache des anderen nicht, fühlt der andere sich ungeliebt und nicht richtig gesehen.

Für Gary Chapman tritt die Liebe in einer Partnerschaft erst ein, wenn die Verliebtheit, die etwa 2 Jahre anhält, vorbei ist. Dann ist „Ich liebe dich.“ eine tägliche Entscheidung – „Heute möchte und werde ich dich lieben.“ Das bedeutet Zeit und Arbeit zu investieren. Das Ergebnis wird sich aber lohnen.  

Welche Sprachen gibt es?

1. Lob & Anerkennung: Hierbei handelt es sich um verbale Ausdrücke, Komplimente und besondere Worte der Liebe. Wenn du diese Liebessprache sprichst, dankst du deiner/m Partner/in sehr häufig für die Taten und Eigenschaften. Ohne nette und anerkennende Worte wie: „Danke, dass du dich so toll um unsere Kinder kümmerst.“ oder „Ich schätze dich sehr für deinen Ehrgeiz im Beruf.“ fühlen sich Menschen der ersten Liebessprache nicht geliebt.

2. Zweisamkeit: Dir sind gemeinsame Zeit und besondere Unternehmungen besonders wichtig? Dann bist du wahrscheinlich Liebessprachler Nummer 2. Auf deinem Tagesplan dürfen ungeteilte Aufmerksamkeit und wertvolle Gespräche nicht fehlen. „Ich möchte gerne ungestört den Abend mit dir verbringen.“ oder „Ich nehme mir jetzt Zeit für dich und lege das Handy weg.“ sind typische Wunschvorstellungen der zweiten Liebessprache.

3. Geschenke: Die dritte Sprache, mit der wir Liebe ausdrücken können, sind materielle oder nicht-materielle Geschenke. Die Emotionalität, Kreativität und Bemühungen stehen eher im Fokus als der finanzielle Wert der Geschenke. Ein besonderes Geschenk wie „Jede Woche pflücke ich dir eine Blume vom Straßenrand.“ oder „Ich habe versucht deinen Lieblingskuchen zu backen“, ist für diese Menschen ein besonderer Ausdruck von Liebe und Wertschätzung.

4. Hilfsbereitschaft: „Ich nehme dir gerne etwas Arbeit ab und sauge das Wohnzimmer.“ Für Menschen, die die Liebessprache der Hilfsbereitschaft sprechen, ist dieser Satz Musik in den Ohren. Wenn du diese Sprache sprichst, fühlst du dich besonders geliebt, wenn man dich unterstützt. Kleine Taten bedeuten dir mehr als schöne Worte.  

5. Zärtlichkeit: Körperliche Nähe in Form von Umarmungen, Streicheln, die Hand auf die Schulter legen, Küssen oder Sex sind für dich der schönste Liebesbeweis? Dann ist die Zärtlichkeit wahrscheinlich deine Muttersprache der Liebe. Dabei geht es dir nicht nur um den Akt der Liebe, sondern die Zugehörigkeit in Form von körperlicher Zuwendung. Wenn dein Partner bei einem Grillabend mit den Freunden deine Hand nimmt oder deine Partnerin dich in der U-Bahn küsst, wird dein Liebestank besonders voll.

Jede Sprache bedient sich auch zahlreichen Dialekten. Wenn die Turteltäubchen ihre Sprache und ihren Dialekt verstehen oder sogar erkennen, dass sie zweisprachig aufgewachsen sind, ist das der erste Schritt zu „Ich zeige dir, wie du mir zeigen kannst, wie ich mich geliebt fühle.“ Dabei geht es aber nicht darum, den Partner zu zwingen, in seiner Liebessprache zu sprechen. Jeder entscheidet selbst, ob er dem anderem seine Liebe zeigen möchte oder nicht.

Meine Kritik & Fazit: Die Erstausgabe erschien 1995 in Amerika. Die Männer- und Frauenrolle war klar abgegrenzt und die christlichen Ansichten der Ehe überall vertreten. Das änderte sich mit der Jahrhundertwende. Trotzdem ist es in den meisten Beispielen des Buches die Frau, die sich um das Kochen, Putzen und die Kindererziehung kümmern sollte und der Mann der hart arbeitet und spät nach Hause kommt. Auch gibt es eine eindeutige Geschlechterverteilung von männlich und weiblich. Um 2020 gerecht zu werden, würde ich mir genderneutrale Ausdrucksweisen und weniger klischeebehaftete Beispiele wünschen.

Außerdem bezieht sich der Autor oft auf den christlichen Glauben und nicht auf den Glauben im Allgemeinen. Homosexuelle Paare werden überhaupt nicht angesprochen, obwohl sie ein fester Bestandteil unserer heutigen Gesellschaft sind und ebenfalls die Ehe eingehen können, also auch Eheprobleme haben können. Die 5 Sprachen der Liebe lassen sich meiner Meinung nach auf jedes Beziehungsmodell, monogam oder polygam, und auf jeden Menschen beziehen. Kennst und sprichst du die Sprache der Liebe deines Gegenübers, wird er sich geliebt fühlen. Spricht dein Gegenüber deine Sprache der Liebe, fühlst du dich geliebt und gesehen.

Trotz der Kritik gefällt mir die Idee einer kommunizierten Liebe. Die Liebe ist ein Prozess und harte Arbeit, die sich erst entwickelt, wenn die Schmetterlinge im Bauch größtenteils ausgestorben sind. Liebe ist tiefe Vertrautheit und die Entscheidung, seinen Partner jeden Tag aufs Neue zu lieben und glücklich zu machen.

P.S. Wenn du dir noch nicht sicher bist, welche Liebessprache deine ist, gibt es am Ende des Buches einen Test. Bei mir kam heraus, dass ich bilingual bin und es für meinen Partner einfacher ist, mir zu zeigen, dass er mich liebt, da er sich zwischen zwei Sprachen entscheiden kann. Auch wenn einem eine Sprache gar nicht liegt, spricht man sie der/m Partner/in zu liebe. Den Müll raus bringen ist ja auch keine Tätigkeit, die einem liegt und man macht es trotzdem.

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