Staubtrockene Welt

Wöchentlicher Gedankenfluss

Weltwüstentag

Gestern, am 17.06., war der Weltgedenktag zur Bekämpfung der Wüstenbildung (Desertifikation).

Neben dem Verlust der Artenvielfalt und dem Klimawandel, ist die Wüstenbildung einer der größten Umweltherausforderungen der heutigen Zeit.

Jedes Jahr gehen weltweit 12 Mio Hekter Ackerland verloren (das ist die gesamte Ackerfläche Deutschlands). 1,5 Milliarden Menschen in 169 Ländern sind betroffen, verlieren ihre Lebensgrundlage und flüchten. 1/3 der Ackerfläche (so groß wie 3 x Europa) ist bedroht.

Ursachen: Überweidung & Übernutzung der Böden, klimatische Schwankungen, Ausbeutung, Wasserverschwendung, Entwaldung, politische Entscheidungen – das hat schwerwiegende Folgen für die Ackerböden. z.B. versalzen sie, filtern kein Trinkwasser mehr oder schützen es nicht mehr vor der Verdunstung. Kein Wasser bedeutet keine Pflanzen bedeutet keine Tiere. Schließlich verliert der ungeschützte Boden seinen Halt und wird einfach weggeweht.

Folgen: Wertvolles Ackerland geht verloren, die Fruchtbarkeit der Böden nimmt ab & die Lebensmittelproduktion im großen Stil wird schwieriger.

Auch in Europa: Der Gemüsegarten Europas (Provinz Almeria) im Süden Spaniens unterstützet durch seinen immensen Wasserverbrauch die Wüstenbildung in der Wüste von Tabernas.

Weltweit: Die Negev-Wüste in Israel bedeckt die Hälfte der Fläche des Landes & die größte Sandwüste (Sahara) erstreckt sich über 9,5 Mio qm² ( das sind 26 × Deutschland) in 11 Ländern. Die Wüsten wachsen täglich.

Folgen: In relativ kurzer Zeit müssen die Menschen z.B. in der Sahelzone (Sahara) weiter in den überbevölkerten Süden ziehen. Die Bevölkerung verdoppelt sich dort alle 15 Jahre. Das führt zu Bevölkerungsdruck, Hungersnöte und Verteilungskämpfe. Unter diesen Bedingungen aber wird der Boden meist noch rücksichtsloser ausgebeutet. Ein Teufelskreis der Landverödung entsteht.

Was wir tun können? Die Vereinten Nationen schufen 1996 die Convention to Combat Desertification (Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung). Schon 187 Staaten haben die Konvention ratifiziert, nun ist sie dort rechtsverbindlich. Jedes Land schafft eine Koordinationsstelle & agiert mit lokalen Projekten.

Hindernisse: Dorfgemeinschaften sehen ihre Viehhaltung als Tradition und wollen sie nicht aufgeben. Außerdem können finanzielle Ressourcen oder Maschinen nur schwer für das Dorf zugänglich gemacht werden (dezentrale Verwaltung der Länder). Fehlende Landrechtsreform, fehlende Eigentumstitel und eine Frage der Verteilung von Geldern und Böden erschwert die Projekte weiter.

Nach Schätzungen wären in den nächsten zwei Jahrzehnten 10-22 Milliarden US-Dollar pro Jahr an Investitionen nötig. Zusätzlich Einkommensverluste durch die Folgen der Desertifikation werden auf 42 Milliarden US-Dollar pro Jahr geschätzt. Die Wüstenkonvention aber verfügt nur über ein jährliches Budget von derzeit 15,3 Millionen US-Dollar. Das heißt im Klartext: Die betroffenen Länder selbst müssen die Projekte größtenteils finanzieren.

In über 50 Entwicklungsländern werden die örtlichen Projekte schon regelmäßig mit Geldgebern (Weltbank, privaten Investoren oder anderen UN-Organisationen) und Nachbarländern abgestimmt.

Erfolge: „In Burkina Faso ist es gelungen, durch entsprechende Hilfe, Schützmaßnahmen zu bieten und in Form von kleinen Hügeln, Feuchtigkeit zu sammeln und Boden zu erhalten. Hinter diesen Hügeln konnte wieder Landwirtschaft betrieben werden.“ (Ingrid Hoven vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung.)

„Was die Konvention geschafft hat in den letzten Jahren, ist: Das Bewusstsein für diese Problematik zu schärfen . Da ist meines Erachtens politischer Wille und sozusagen Bewusstsein oftmals kostbarer als der eine zusätzliche Euro oder Dollar.“ (Stefan Kröpelin, Wüsten-Forscher vom Heinrich-Barth-Institut in Köln)

Ein weiteres Beispiel ist das Wiederaufforstungsprojekt „Great Green Wall“ in der afrikanischen Sahelzone. In dem Gebiet südlich der Sahara soll ein 8.000 Kilometer langer Baumkorridor die Ausbreitung der Wüste nach Süden eindämmen. Das Projekt, das 2007 von der Afrikanischen Union ins Leben gerufen wurde und an dem 21 Länder beteiligt sind, zielt darauf ab, durch das Pflanzen von Bäumen die Böden wieder fruchtbarer zu machen und so die Nahrungsgrundlage sowie Arbeitsplätze in der Region zu sichern. 

Was können wir Europäer bzw. wir Deutschen tun? Konsumgewohnheiten zum Verbrauch von Wasser und Boden ändern.

Beispiel Fleischkonsum. Das Fleisch, was wir in Deutschland verzehren, wird mit importierten Futtermitteln produziert. Für die Produktion von 1kg Fleisch werden ungefähr 10 kg Futtermittel benötigt. Oft werden die Tiere mit importierter Soja gemästet. Es gibt Studien aus Argentinien, die sagen, dass die Produktion für 1kg Soja zu dem Verlust von 4 kg fruchtbarem Boden durch Erosion führt. D.h. bei der Produktion von 1 kg Fleisch gehen rund 40 kg fruchtbarer Boden verloren. Das ist eine sehr vereinfachte Rechnung, aber sie macht die Verhältnisse klar.
Ein Baumwoll-T-Shirt: Für die Produktion eines normalen Baumwoll-T-Shirts werden rund 2700 l Wasser gebraucht. Die Baumwolle allerdings wächst in Gebieten, die eher zu den trockeneren Regionen zählen, und stammt oft aus Baumwollproduktionen, die Wasser verschwenden. Das Wasser, das zur Baumwollproduktion entnommen wird, fehlt dort an anderer Stelle. (Anneke Trux vom GTZ, Deutsche Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit)

Ich will mit diesen Beispielen verdeutlichen, dass unser Konsumverhalten sehr stark zur Nutzung von Boden- und Wasserressourcen in Ländern der Dritten Welt beiträgt. Das sind Hinweise, die die Wirtschaft überhaupt nicht mag.

Nachhaltigkeit und Bewusstsein kann in unserer Zukunft einen Unterschied machen. Zum Beispiel: Weniger Wasser verschwenden, nachhaltige Kleidung kaufen, den Fleischkonsum einschränken, etc.

Quellen:
„Auch in Europa breiten sich Wüsten aus“ von Susanne Henn, SWR Umwelt und Ernährung / Online: Jutta Kaiser, swrfernsehen.de
„Weltwüstentag“ von Pascal Fischer, Deutschlandfunk.de
„Welttag für die Bekämpfung von Wüstenbildung und Dürre“ der Bundeszentrale für politische Bildung, bpb.de
„Die Erde braucht Hilfe“ von Jana Zeh, Interview mit Anneke Trux vom GTZ, n-tv.de/wissen

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